RSS-Feed

Aus Trier wird Karl-Marx-Stadt

Die Überraschung ist perfekt – auch für die Bewohner!

Trier. Wie sich Geschichte wiederholen kann: Die damaligen Einwohner von Chemnitz, heute drittgrößte Stadt in Sachsen, wurden am 10. Mai 1953 mit der Umbenennung ihrer Stadt in Karl-Marx-Stadt überrascht. Die Entscheidung hierzu traf das Zentralkomitee der SED, ohne den Einwohnern Gelegenheit zur Meinungsäußerung einzuräumen. Anlass für die Umbenennung war das „Karl-Marx-Jahr“.

Und heute: Anlass für die Umbenennung von Trier in Karl-Marx-Stadt ist der 200. Geburtstag von Karl Marx, dem berühmtesten Sohn der Stadt. Der Stadtrat in Trier hat mit 2/3-Mehrheit für die Namensänderung gestimmt. Das Recht an dem neuen Namen erhält die Stadt von Chemnitz, welche sich den Namen, von dem sie sich in der 1. Sitzung des demokratisch gewählten Stadtparlaments im Juni 1990 verabschiedete, lizensieren ließ. Daher sind auch jährliche Lizenzgebühren zu entrichten: Diese belaufen sich auf 1,25 Mio. Euro.

China zahlt
Allerdings müssen sich die ungefragten Bewohner der neuen Karl-Marx-Stadt keine Gedanken über die Kosten machen: Die Chinesen haben der Stadt Trier schon zugesagt, dass sie die Lizenzkosten übernehmen werden. Das Engagement der Chinesen ist in diesem Fall nicht weiter verwunderlich, da das geplante Karl-Marx-Denkmal, welches pünktlich zum 200. Geburtstag von Karl Marx am
5. Mai 2018 stehen soll, ebenfalls ein Geschenk der Chinesen ist. Das nach heutigen Informationen insgesamt 5,50 m hohe Denkmal (inklusive Sockel) soll auf dem Simeonstiftplatz unweit der Porta Nigra errichtet werden.

Ein wahrer Tourismus-Boom wird erwartet
Von dem Karl-Marx Denkmal –zusammen mit dem neuen Stadtnamen „Karl-Marx-Stadt“ versprechen sich Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) und Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) einen wahren Tourismus-Boom. Bereits heute kämen jährlich mehr als 150.000 Touristen aus China in die Stadt. Diese Zahl wird in Zukunft um ein Vielfaches überboten werden. Dass die Chinesen überzeugt sind von einer Umbenennung von Städten in Karl-Marx-Stadt zeigt auch, dass die Regierung beschlossen hat, eine Stadt mit mindestens 5 Mio. Einwohnern in ihrem Land ebenfalls zum 01.04.2018 in Karl-Marx-Stadt umzubenennen. Es wurde aber noch nicht gesagt, um welche chinesische Stadt es sich handelt. Diese chinesische Stadt wird auch die Partnerstadt von Karl-Marx-Stadt an der Mosel.

Karl-Marx Ampelmännchen
Am Simeonstiftplatz, dem künftigen Standort der Karl-Marx-Statue, wurde bereits vor die erste Fußgängerampel mit dem Konterfei des berühmten Philosophen installiert. Dass Marx nun in leuchtendem Rot und Grün auch den Verkehr regelt, wurde weltweit mit großem Interesse verfolgt. In ganz Europa, aber auch in China und Indien wurde über das sympathische Verkehrssignal mit Bart und Gehrock berichtet.

OB Wolfram Leibe, Baudezernent Andreas Ludwig und Zeichner Johannes Kolz (v. r.) freuen sich über den gelungenen Start der neuen Ampelmännchen am Simeonstiftplatz, während Marx selbst (als Wachsfigur) noch etwas skeptisch dreinblickt (Foto: Stadt Trier)

Ein historischer Tag für die ehemalige Stadt Trier
Der Oberbürgermeister von Trier, Wolfram Leibe, findet die Umbenennung phantastisch und freut sich darüber, dass er die Stadtratsmitglieder zu zwei Drittel überzeugen konnte. Auf einer Pressekonferenz gab er allerdings zu, dass man in Trier nicht selbst auf die grandiose Idee gekommen sei, sondern es war vielmehr die Eifel-Zeitung
aus der Vulkaneifel-Kreisstadt Daun, die den Stadtrat von Trier auf die Namensänderung gebracht habe. Die Bewohner von Noch-Trier werden es den Daunern danken.

Daun ist konsequent
Auch der Dauner Stadtrat hat nach langer Diskussion entschieden, die Trierer Straße in Daun umzubenennen in Karl-Marx-Straße. Dies wird pünktlich am 1. April 2018 geschehen. Die neuen Straßenschilder sind schon vorbereit. Die Sitzung im Dauner Stadtrat verlief kontrovers. Hildegard Slabik-Münter von den Linken hatte die Petition zur Umbenennung in einer Einwohnerfragestunde eingebracht. Die frühere Grüne und ehemalige Kinderärztin in Daun sagte, dass, wenn Trier schon umbenannt werde in Karl-Marx-Stadt, die Trierer Straße folgen müsse. Dazu gab es zunächst im Dauner Stadtrat bei der entsprechenden Sitzung einige Tumulte. Allerdings gab es keine handfesten Auseinandersetzungen, sondern nur argumentative. Aus den Reihen der CDU, SPD, Grünen und Freien Wählergemeinschaft kam dann eine knappe Mehrheit zugunsten der Karl-Marx-Straße in Daun zustande.
Die EAZ Eifel-Zeitung weiß derzeit noch nicht, wo es im Eifelgebiet sonst noch Trierer Straßen gibt und ob sich die dortigen Stadträte ebenfalls mit einer entsprechenden Namensänderung befasst haben oder in Zukunft noch befassen werden.

Karl-Marx-Flughafen Hahn (KMX)
Aus gut unterrichteten Kreisen wurde kurz vor Redaktionsschluss bekannt, dass auch der Hunsrück Flughafen Hahn umbenannt werden soll. Im vergangenen Sommer hatte das Land Rheinland-Pfalz seine Anteile am Flughafen Hahn von 82,5 Prozent für 15,1 Millionen Euro an die chinesische Gruppe HNA verkauft. Die restlichen 17,5 Prozent Anteile gehören noch dem Land Hessen. Sowohl das Land Hessen als auch der neue chinesische Eigentümer HNA haben der Umbenennung zugestimmt. Ab Ostersonntag starten und landen Flugzeuge auf dem Karl-Marx-Flughafen Hahn. Aus dem internationalen Flughafencode „HHN“ wird dann „KMX“.

EAZ Eifel-Zeitung – Regionale Nachrichten aus Eifel und Mosel der Landkreise Vulkaneifel, Daun, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell, Ahrweiler-Adenau, aus Politik, Wirtschaft, Tourismus, Polizei und Sport.