Eine Erfolgsgeschichte zwischen Handwerk und Schulen

Die Kreishandwerkerschaft hat mit dem Qualitätssiegel Schule – Handwerk zum zehnten Mal Schulen für ihr Engagement in der Berufsorientierung ausgezeichnet.

In dem Video fragt eine junge Schülerin eine Schornsteinfegerin, ob sie als Frau in ihrem Beruf ernst genommen werde. Sie antwortet: „Man muss sich als Frau am Anfang mehr beweisen.“ Sobald aber klar sei, dass man seinen Job beherrsche, sei alles gut. Das Video ist ein Projekt von Schülerinnen der Friedrich-Spee-Realschule plus in Neumagen-Dhron. Sie haben sich in vielfältiger Weise mit dem Thema „Frauen im Handwerk“ auseinandergesetzt und wurden dafür im Schülerwettbewerb bei der Preisverleihung des Qualitätssiegels Schule – Handwerk der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg ausgezeichnet. Das Qualitätssiegel wurde zum zehnten Mal vergeben.

„Die Zusammenarbeit zwischen dem Handwerk der Region und den Schulen hat sich in eine Erfolgsgeschichte verwandelt“, sagt Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller. Vor mehr als zehn Jahren sei die Zahl der Bewerber im Handwerk dramatisch zurückgegangen. Das hängt auch mit veränderten Zahlen an Schulabsolventen zusammen. Laut des Bundesinstituts für Berufsbildung ist seit 2006, 2007 die Zahl der Absolventen an Haupt- und Realschulen drastisch eingebrochen und die Zahl der Absolventen mit Hochschulreife in gleichem Maße gestiegen. „Das Trierer Handwerk handelte bereits 2007 und suchte den Kontakt zu Schulen“, sagt Benzmüller. Handwerksmeister gaben Einblicke im Unterricht. Berufsmessen wurden organisiert. „Die Lehrer unserer Partnerschulen leisten hervorragende Arbeit“, sagt Benzmüller. Das Qualitätssiegel Schule – Handwerk trägt dieser Zusammenarbeit Rechnung und „zeichnet Schulen und Schüler aus, die sich in besonderer Weise in der Berufsorientierung hervorgetan haben und Schülern Perspektiven zeigen“, sagte Thomas Linnertz, Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion von Rheinland-Pfalz, bei der Verleihung im vollen Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais in Trier.

Die Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Daniela Schmitt betonte, wie einzigartig die Kooperation zwischen dem Handwerk und den Schulen in Deutschland sei. Schmitt dankte den Lehrern für ihr Engagement bei der Berufsorientierung, „das oft über die normale Arbeitszeit hinausgeht“. Schmitt sagte, es gelte an der Gleichwertigkeit von der Studienausbildung und der Berufsausbildung zu arbeiten. Es seien gerade die Unternehmen in den ländlichen Räumen, „die den Wohlstand sichern und jungen Menschen Perspektiven aufzeigen“. Es gebe viele Unternehmen, die händeringend einen Nachfolger suchen würden, sagte Schmitt, und wies in dem Zusammenhang auf die staatliche Meisterförderung hin. „Der Meisterbrief stellt einen essentiellen Grundpfeiler und das Rückgrat der Nachwuchssicherung dar. Er sichert die Zukunft des Handwerks“, sagte Schmitt kürzlich in einer Rede. „Das Handwerk ist ein Herzstück unserer mittelständischen Wirtschaft in Rheinland-Pfalz und ein wesentlicher Motor für den wirtschaftlichen Erfolg in unserem Land. Der Erfolg des deutschen und rheinland-pfälzischen Handwerks wäre nicht denkbar ohne das Kammerwesen, ohne Kreishandwerkerschaften, ohne das Innungswesen sowie das Engagement durch die vielen Ehrenamtsträger im Handwerk.“

Das Qualitätssiegel für zwei Jahre und je 500 Euro von der Franz-Mohr-Stiftung gewannen die IGS Hermeskeil, die Kurfürst-Balduin-Realschule plus Trier, die Realschule plus Saarburg und das Stefan-Andres-Gymnasium Schweich. Die Gewinner des Schülerwettbewerbs kommen von der Friedrich-Spee-Realschule plus Neumagen-Dhron, der IGS Trier, der Ruwertal Grund- und Realschule plus Waldrach und der Stefan-Andres-Realschule plus Schweich. Auch sie erhielten ein Preisgeld. Die IGS Trier produzierte etwa einen Filmbeitrag über Berufsinformationstage an der Schule. Die Ruwertal Grund- und Realschule plus führte die Musik-Performance „Handwerkslied“ live vor. Und die Stefan-Andres Realschule plus aus Schweich erstellte eine Fotocollage zum Metallhandwerk und eine großformatige Zeichnung zum Thema „Handwerk gehört zum Leben – Was wären wir ohne Handwerk?“ Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller, Staatssekretärin Schmitt und die Hauptgeschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg Bärbel Schädlich übergaben die Preise. Musikalisch wurde das Programm von der Jazzband des Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums untermalt.

Jürgen Nisius, Leiter der Stefan Andres Realschule plus aus Schweich, sagte: „Die Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg ist unser ältester Kooperationspartner. Was wir erfahren durften, ist gelebte Kooperation – eine Solidargemeinschaft, um fehlenden Talenten entgegenzuwirken.“ Nisius warnte vor einer Über-Akademisierung. „Ein Drittel der Studierenden bricht ab.“ Auch weil es falsche Vorstellungen von Berufsfeldern gebe. Es gelte, so Nisius, sowohl Schülern als auch Eltern die Chancen einer dualen Ausbildung näherzubringen. Schließlich überreichte Nisius der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg eine Skulptur als Leihgabe. Es ist ein Dankeschön für die intensive und gute Zusammenarbeit mit der Stefan-Andres-Realschule plus. Für die Skulptur wurden die Schüler im vergangenen Jahr im Schulwettbewerb ausgezeichnet. Sie besteht aus Hämmer haltenden Händen und dem Schriftzug: „Das Handwerk ist einfach der Hammer.“

 

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