Eifeler-Großbäckerei verdreifacht seine Produktion für Flut-Helfer und Flut-Opfer und kassiert Anzeige wegen Ruhestörung!

Kelberg. Für Bäckereiinhaber Jürgen Schillinger ist die Situation unfassbar. Er betreibt mit seiner Familie eine der wenigen traditionsreichen Großbäckereien der Eifelregion, die trotz der Hochwasserkatastrophe noch voll funktionsfähig ist.

„Wo die Not am größten ist, da müssen wir helfen“, so Jürgen Schillinger. Seine Produktion wurde auf den dreifachen Ausstoß hochgefahren.  7 Tage die Woche, rund um die Uhr geht es in der Großbäckerei sozusagen „heiß“ her.  Mit  Kühlaggregaten müssen die Temperaturen in der Backhalle auf ein verträgliches Maß heruntergekühlt werden.

Ausgerechnet jetzt schickt ihm sein direkter Nachbar (Junggeselle!) eine Anzeige wegen Ruhestörung? So jedenfaslls wurde es unserer Rdaktion vor Ort geschildert.

Aus Sicht des Nachbarn stellt sich die Situation etwas anders dar. Beschwerden wegen Lärmbelästigung des Großbäcker gab es schon seit etlichen Monaten. Der Nachbar sagt: „Ich wusste ja nicht, dass er für die Hochwasserhelfer 24 Stunden backt. Ich finde das auch sehr lobenswert und wenn er einfach zu mir rüber gekommen wäre und hätte gesagt, ich muss jetzt nonstop Backen  und die Lärmschutzwände abbauen damit die Anlage besser Luft bekommt, wäre das für mich eine Selbstverständlichkeit gewesen. In dem Falle hätte ich gerne die Lärmbelästigung in Kauf genommen. Aber er hat nichts zu mir gesagt und ich wusste natürlich auch nicht was er für Backaufträge hat. Ich hätte niemals eine Beschwerde wegen Lärmbelästigung eingereicht mit dem Wissen, dass Frank Schillinger mit seinem kompletten Betrieb für die Notfallhelfer und Opfer backt“.

Schillingers Großbäckerei produziert im Kelberger Gewerbegebiet wo auch Industrieunternehmen produzieren. Der Anzeigenerstatter wohnt seit vielen Jahren selbst über seinem eigenen Gewerbebetrieb in unmittelbarer Nachbarschaft. Schillinger beliefert nicht nur seine eigenen Filialen. Schillinger hilft auch vom Hochwasser betroffenen Bäckerei-Kollegen mit Backwaren in den Hochwassergebieten des nahliegenden Ahrtals.

Ebenso werden die Einsatzkräfte von DRK, Feuerwehren, Bundeswehr, THW  und Polizei beliefert. Da geht es nicht um die Lieferung von 20 Brötchen. Da geht es um viele tausend Brötchen und Brote jeden Tag. Der Tagesausstoß hat sich auf etliche Tonnen Backwaren erhöht durch die Hochwasserkatastrophe.

Mehrmals täglich holen Lieferfahrzeuge seine Backwaren in Keberg ab und fahren Sie ins nahe gelegene Krisengebiet ins Ahrtal. Die meisten kleinen Bäckereien im Ahrtal können wegen dem Hochwasser nicht mehr produzieren. „Wir haben von zahlreichen Lieferungen noch nicht mal eine Rechnungsanschrift. Wir fühlen uns einfach verpflichtet, den Flutopfern zu helfen“, sagt Jürgen Schillinger.

„Wenn man in solch einer Situation eine Anzeige wegen Ruhestörung von seinem direkten Nachbar erhält, fehlen einem die Worte“, so Jürgen Schillinger kopfschüttelnd.  Im Grund genommen ist Jürgen Schillinger sogar selbst Opfer des Hochwassers geworden. Eine seiner Filialen in der VG Gerolstein ist auch bvon den Fluten betroffen.

Fazit: Vielleicht engagieren sich die Beiden und beenden den Nachbarstreit unter sich. Jetzt ist die helfende Hand zweifelos wichtiger.  

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