EAZ-Kommentar – Klinik-Studie der Bertelsmann Stiftung – Reiner Lobbyismus!

Kurios und interessant ist es schon. Da macht eine der wohl bekanntesten Stiftungen Deutschlands eine sogenannte Studie über Krankhausversorgungen in Deutschland und kommt zu dem Schluss, dass weit über die Hälfte aller Kliniken geschlossen werden sollten.

Presse, Funk und Fernsehen legen die wesentlichen Inhalte dem erstaunten Publikum vor. Hinterfragt wird fast nichts. Gründer und Financier der Bertelsmann Stiftung ist der Bertelsmann Konzern, dem auch der Fernsehsender RTL gehört, der durch die Bertelsmann Stiftung enorm viel Steuern spart und gleichzeitig riesigen Einfluss auf die Politik ausübt. Das nennt man Win-Win-Situation für den Konzern.

Die Bertelsmann Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn ins Leben gerufen, dabei spielten sowohl gesellschaftliche und unternehmenspolitische Motive als auch steuerliche Gründe eine Rolle. Das Stiftungskapital beträgt 619,5 Mio. Euro. Die Stiftung hat 384 Mitarbeiter/innen. Auffällig an der Krankenhausgeschichte, welche seit Montag und Dienstag auf allen Medienkanälen läuft ist aber vor allem das, was nicht berichtet wird: Das nämlich Dr. Brigitte Mohn nicht nur im Vorstand der Bertelsmann Stiftung sitzt, sondern zugleich Vorstandsmitglied der Rhön-Klinikum AG ist. Das ist eine Aktiengesellschaft, die ein direktes finanzielles Interesse an der Schließung öffentlicher Krankenhäuser haben könnte. Derzeit gehört die Rhön-Klinikum AG bereits zu den großen Playern in Deutschland und erwirtschaftete 2018 einen Gewinn in Höhe von satten 51,2 Mio. Euro. Das waren 40% mehr als im Jahre davor.

Wenn es womöglich bald zu wenige öffentliche Krankenhäuser geben sollte, dann können sicherlich ein paar großherzige private Helfer/innen wie die Rhön Kliniken in der dann entstandenen Not einspringen.

Die Bertelsmann Stiftung vergisst offensichtlich in ihrer Studie, dass es bei Krankenhäusern in erster Linie nicht ums Geschäft geht, sondern um die kranken Menschen und deren Angehörige. Wir alle bevorzugen wohnortnahe Kliniken, die ausreichend finanziert und personell bestens ausgestattet sind. Da muss man sich doch fragen, warum im Zusammenhang mit der Studie der Bertelsmann Stiftung ein solch unangemessener Umgang in den Medien herrscht? Antwort: Absolute Fehlanzeige! Alle beten die Inhalte nach und jeder kennt die defizitären Krankenhäuser.

Warum diese defizitär sind und dass die neoliberale Umstellung auf Fallpauschalen vor etwa 15 Jahren der Kardinalfehler war, das interessiert heute niemanden mehr. Man muss ganz klar hervorheben, dass die wohnortnahe, öffentliche Gesundheitsversorgung zur öffentlichen Daseinsvorsorge einfach dazugehören muss. Es wäre falsch, etwa 1.000 Krankenhäuser in Deutschland zu schließen. Bei Krankenhäusern darf nicht nur die reine Wirtschaftlichkeit der Maßstab der Dinge sein, sondern der Mensch und seine Gesundheit muss im Vordergrund stehen. Will man die ländlichen Gebiete weiter benachteiligen? Hier in der Eifel-Mosel-Region haben wir glücklicherweise immerhin noch einige sehr gute Krankenhäuser. Natürlich können die sich nicht um alles kümmern, aber sie sind eben jeweils die erste Anlaufstelle. Für spezifischere Dinge, wird zu Spezial-Kliniken überwiesen. Die Bertelsmann Studie ist egoistisch, lobbyistisch und einfach falsch.