Norbert Scheuer liest am 28. Januar im Gerolsteiner Rathaus

Gerolstein. Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar veranstaltet das Forum Eine Welt e. V. einen Tag später eine Lesung mit Norbert Scheuer. Der Holocaust-Gedenktag bezieht sich auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Erinnert werden soll an alle Opfer des totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus: „Wir gedenken der Entrechteten, Gequälten und Ermordeten: der europäischen Juden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Millionen verschleppter Slawen, der Zwangsarbeiter, der Homosexuellen, der politischen Gefangenen, der Kranken und Behinderten, all derer, die die nationalsozialistische Ideologie zu Feinden erklärt und verfolgt hatte.

Wir erinnern auch an diejenigen, die mutig Widerstand leisteten oder anderen Schutz und Hilfe gewährten“(N. Lammert). In seiner Proklamation des Gedenktages führte Bundespräsident Roman Herzog aus: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“
Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Norbert Scheuer wird aus seinem Roman Winterbienen, der 2019 auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis stand, lesen. Die Geschichte spielt im Januar 1944; Egidius Arimond, ein frühzeitig aus dem Schuldienst entlassener Latein- und Geschichtslehrer, erzählt sie in einer Selbstbeschreibung in Tagebüchern.
Wegen seiner Versuche, Juden in präparierten Bienenstöcken ins besetzte Belgien zu retten, gerät Arimond in höchste Gefahr. Seine Situation wird nahezu ausweglos, als er keine Medikamente als Epileptiker mehr bekommt, er ein Verhältnis mit der Frau des Kreisleiters beginnt und schließlich
bei der Gestapo denunziert wird. Mit großer Intensität erzählt Norbert Scheuer in „Winterbienen“ einfühlsam, unaufdringlich, präzise und spannend von einer Welt, die geprägt ist von Krieg, Bomben und dem Wunsch nach einer friedlichen Zukunft.

2019 erhielt Scheuer für den Roman Winterbienen den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. Norbert Scheuer, geboren 1951 in Prüm, belegte nach einer Lehre als Elektriker das Studienfach Physikalische Technik und studierte danach Philosophie. Neben seiner literarischen Tätigkeit arbeitete Scheuer bis 2017 als Systemprogrammierer bei der Deutschen Telekom. Er lebt in Keldenich, einem Ortsteil der Gemeinde Kall/Eifel. Weitere wichtige Romane Norbert Scheuers sind: Der Steinesammler (1999), Überm Rauschen (2009), Peehs Liebe (2012) und Die Sprache der Vögel (2015). Lesung am Dienstag, 28.01.2020, 19:00 Uhr, Foyer des Rathauses Gerolstein.

Der Eintritt ist frei. Veranstalter ist das Forum eine Welt e.V.

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