Georg-Fischer-Verlag Wittlich (1906-1956)

Vorwort: „In dieser Ausgabe veröffentlichen wir nach dem Portrait des Verlegers Georg Fischer (KW52/2010), das Gregor Brand verfasst hat, auch einen Artikel zum Georg Fischer-Verlag, dessen Autor Albert Klein aus Wittlich ist. Das Portrait beschränkte sich auch deshalb auf die Person, der Artikel auf den Verlag. Der Herausgeber“

 Ein halbes Jahrhundert, von 1906 bis 1956, stand der Verlagsort Wittlich auf dem Innentitel vieler tausend Bücher, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, der Schweiz, in Holland, Luxemburg und Belgien. Damals kannten fast alle deutschen Buchhändler die Anschrift »Georg Fischer Verlag, Wittlich, Marienstraße 17« als gute Adresse vor allem für Heimatliteratur und schöne Kinderbücher. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war das Unternehmen sogar auch in der internationalen Buchstadt Leipzig vertreten. Das verlegerische Lebenswerk Georg Fischers, (1881 – 1962 ), enthält u.a. Heimatliteratur, Kinderbücher, christliche Schriften sowie Publikationen aus den Bereichen Geografie und Geologie.

Die Gründung des Lehrerseminars in Wittlich zu Beginn des letzten Jahrhunderts war Anlass und Ursprung der Verlagstätigkeit. Pädagogische Schriften waren gefragt und sollten das Fundament des Verlages bilden.

Umfangreiches Verlagsprogramm

Bis zum Ersten Weltkrieg erschienen bei Georg Fischer Jahr für Jahr drei bis vier heimatkundliche Veröffentlichungen. Mitte der zwanziger Jahre enthielt das Programm über fünfzig Heimatkundewerke, die zum Teil auch in den Schulen Eingang fanden. Darunter befanden sich eine Sammlung rheinischer Sagen unter dem Titel »Vom frischen Quell«, die der Wittlicher Lehrer Josef Schiffels betreute, und eine Heimatkunde »Unser Rheinland«, die »für den Gebrauch in den Volksschulen der Rheinprovinz« empfohlen war und deshalb zu den Gewinn bringenden Titeln gehörte. Ein Verlagsverzeichnis aus jener Zeit nennt Buchtitel, an die ältere Leser sich vielleicht noch erinnern, zum Beispiel die Erzählung »Erika von Manderscheid« von der Triererin Antonie Haupt, die »Himmeroder Wundererzählungen« des Caesarius von Heisterbach, lateinisch geschriebene Geschichten aus dem Mittelalter. Das bedeutendste Verlagswerk jener Jahre war die »Flora des mittelrheinischen Berglandes« von Heinrich Andres, ein Bestimmungsbuch der Pflanzen an der Mosel, in der Eifel, auf dem Hunsrück und im Saarland.  Auch Postkarten, Landkarten, Fotos, Dokumente, Bilder und vor allem Ansichtskarten von Wittlich, darunter die erste Wittlicher Ansicht von 1899, gehörten zum Verlagsprogramm.

Georg Fischer nutzte für viele seiner Bücher die Faszination von Fotografien, so für das volkskundliche Sachbuch »Die Eifel« von Robert Legrand, dessen Text und zahlreiche Fotos auf Lebensart und Brauchtum der Eifelbewohner aufmerksam machten. In diesem Sinne wurde Fritz von Willes farbig wiedergegebene Bildersammlung »Mit Pinsel und Palette von den Eifelbergen ins Moseltal«, von 1933, zu einer bibliophilen Kostbarkeit. Ein so aufwändig gestaltetes Buch erforderte erhebliche Investitionen und eine hohe Auflage. Die Jahre nach 1933 waren für die Verbreitung des Werks verständlicher Weise nicht günstig. Dennoch machte es seinen Weg. Mehrere tausend Exemplare sind noch in den fünfziger Jahren, begünstigt von einem neu erwachten Interesse an der Eifel gekauft worden. Heute erzielen diese Bände das Zigfache ihres Kaufpreises von 1935.

Als „feinsten Wandschmuck für Haus und Schule“ werden Fischers heimatliche Kunstblätter nach Gemälden des Eifelmalers Fritz von Wille angeboten. Auch ein Karton mit der Abbildung des Schnitzaltars der Klausener Wallfahrtskirche ist als Erstveröffentlichung erhältlich. Ebenso vertreibt der Verlag eigene Schulformulare für Zeugnisse und Versäumnislisten.

Zwischen 1934 und 1937 erschienen sechs Bände von Bernhard von Clairvaux – „Die Schriften des honigfließenden Lehrers“ und die Mystik des heiligen Bernhard mit fast 2000 Seiten Umfang. In dieser Zeit ein solches Werk anzugehen kann nur als wagemutig bezeichnet werden. Religiöse Themen hatten keine Konjunktur und es war daher nicht leicht das notwendige Papier hierfür zu beschaffen. Die braunen Machthaber hatten selbst hohen Eigenbedarf für nationalsozialistische Propagandaschriften. Doch in Verbindung mit dem Abt von Himmerod sollte dieses Wagnis gelingen.

In dieser Zeit erschien auch – ideologiefrei und unverfänglich – eine große Zahl wunderschöner Kinder- und Bilderbücher, viele davon gestaltet von Berti Breuer-Weber. Diese Künstlerin vom Hunsrück war wegen ihrer jüdischen Abstammung selbst vom Naziregime verfolgt und möglicherweise gerade deswegen von Fischer beauftragt worden.

Erfolgreich waren auch drei Romane von Clara Viebig „Das Kreuz im Venn“, „Am Totenmaar“ und „Kinder der Eifel“. Hierzu kommentierte der Südwestfunk aus Anlass der Neuauflage des letztgenannten Werks: „Zwölf bittere Jahre war auch das Schrifttum von Clara Viebig unterdrückt. Mit Betrübnis und Ingrimm stellten viele aufrechte Freunde der Dichterin, stellten insbesondere zahlreiche Menschen des Eiffellandes das Fehlen dieser wie je noch immer quicklebendigen „Kinder der Eifel“ fest.“

Die Zuneigung Fischers zu seiner Vaterstadt Wittlich kommt in dem von ihm verfassten Wittlicher Wörterbuch zum Ausdruck. Darin erklärt er mit einer von ihm erfundenen Schreibweise typische Wittlicher Mundartausdrücke ohne sie ins Hochdeutsche zu übersetzen. Es ist die einzige von Georg Fischer als Autor erschienene Schrift, die erst posthum veröffentlicht wurde.

1951 widmete Georg Fischer das Heft „Wittlich – Geschichte und Kunst von M. J. Mehs“ „seiner schönen Vaterstadt Wittlich, die nach schwerster Prüfung und unendlichem Leid heute im sichtbaren Zeichen eines geordneten Wiederaufbaus steht. Nicht fremde Hilfe, nur die Intelligenz und Tatkraft führender Männer, der Wagemut der Kaufmannschaft und des Handwerks, nicht zuletzt aber der ungebrochene Wille und der Fleiß der Landwirte und Arbeiter hat dies zuwege gebracht. HILF DIR SELBST; DANN HILFT DIR GOTT!“ Das Heft erschien auch in französisch: „Wittlich – La Ville et ses environs Ürzig, Manderscheid, Monschau“ und es wird angemerkt: „mais nous sommes déjà loin de Wittlich.“

Über 300 Titel des Verlags zum Preis zwischen drei und dreihundert Euro sind derzeit noch in deutschen Antiquariaten u.a. über das Internet erhältlich. Ein Beweis für die ungebrochene Aktualität der Tätigkeit des Verlags Georg Fischer Wittlich.
Von Albert Klein

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