Laurentius – wo ist dein Drees?

von Alois Mayer

Daun. Gänzlich aus dem Dauner Stadtbild verschwunden ist ein dereinst beliebter Sauerbrunnen. Ältere Einwohner, die ihn kannten, bedauern dies sehr. Auch wenn Daun noch andere Dreese hat, so zählte dieser dennoch zu den beliebtesten. Die Rede ist vom „Laurentiusbrunnen“. Im damaligen Dialekt auch „Lenzigsbrunnen“ genannt. Er befand sich links der Lieser, am Fuße der Schleif, gegenüber dem heutigen ‚Hotel Ana Marija“. Es war ein uralter, wohlschmeckender und sehr beliebter Sauerbrunnen. Ruhebänke und Tische luden zum Verweilen ein. Eine Treppe führte hinab zur gefassten Quelle, aus der klares Mineralwasser in starkem Strahl hervorsprudelte. Leider ließ man ihn um 1965 austrocknen und seine Umgebung vernachlässigen.

Heute ist er nur noch in seiner verwitterten Fassung erkennbar. Der Name „Lenzigsbrunn“ kann urkundlich bereits im 16. Jhd. nachgewiesen werden. Der berühmte Heidelberger Arzt und Botaniker Jakob Theodor Tabernämontanus arbeitete 36 Jahre lang an einem bis heute anerkannten Kräuterbuch. Auf seinen zahlreichen Studienreisen gelangte er auch nach Daun und beschrieb 1588 in seinem Werk dessen Mineralquellen.

Seine Notizen über diesen ‚Lenzigsbrunn‘ lauten (gekürzt):

„In dem Dorff Daun
entspringt ein fürtreffentlicher Sauwerbrunn“

„In der Eyffel in dem Dorff Daun/ entspringt auch ein fürtreffentlicher sauwerbrunn/ von den Einwohnern daselbst der Lentzigs Brunn genannt. Der ist auch schön hell und klar/ eines sehr lieblichen und anmühtigen/ sauwren/ räsen (= prickelnd) Geschmacks im trincken. Derwegen er auch … von dem gemeinen Mann zum täglichen Tranck an statt deß Weins erwehlet wirdt…“ Dann beschreibt er mit heute ausgestorbenen Fachausdrücken die chemischen Bestandteile des Dreeses. Recht ausführlich ist seine lobende Wertung des Wassers, das auch nach modernen Analysen zu den besten und gesündesten Wassern Dauns gehörte:

„Mit seiner „krafft und eigenschafft reynigt und säubert er die unreyne verschleimpte Mutter/ vertreibt unnd verzehrt den weißen Weiberfluß (= Leukorrhöe, gynäkologische Krankheit) /trücknet alle hitzige Flüß deß Haupts (= heißer Schweiß) reynigt den gantzen Leib und innerliche Glieder von zehem faulem Schleim unnd allem unrath/ öffnet die verstopffung der Lebern und des Miltzes/ vertreibet die Wassersucht/ benimet das Magentrucken unnd alle faule Magenfieber (= Magenallergie, kann Gelbsucht auslösen)/ verhütet vor der Schwindsucht/ leschet den Durst/ kompt zuhülff der Gliedsucht/ Podagra (= Gicht) unnd stercket die erlecherte nachgelaßene Geleych (= Gelenke) oder Gelenck/ und machet sie fest/Treibet den Harn und Grieß/und reyniget die Nieren/ Harngäng unnd Blasen von allem Schleim und unrath.
Eußerlich dienet er zu alten faulen Geschweren/ als Fistel Krebs/ unnd andern flüßigen alten Schäden/ dann er reyniget und trücknet sie/ unnd macht frisch Fleisch wachsen. Er vertreibet den unnatürlichen bösen schweiß/ nimpt hinweg den ubeln bösen geschmack des Leibs/ unnd erweychet die harten Nerven und Krampffadern/ vertreibet die Mundfäul und den Schorbock (= Skorbut)/ heylet Reude/ allerley Grind (= Hautkrankheit)/ Zittermäler (= Hautentzündung, Art Flechte) und das jucken und beißen der Haut/ nimmt auch hinweg die Hitzblätterlein under dem Angesicht und am gantzen Leib.“
 

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