Niederbayerische Thermalbäder erarbeiten gemeinsames Hygienekonzept

Bad Abbach/Bad Birnbach/Bad Füssing/Bad Griesbach/Bad Gögging. Die niederbayerischen Thermalbäder und der lange Weg zurück: Ein wenig Hoffnung herrscht zwar in den Bädern, dass es Erleichterungen gibt, was die Rückkehr von Hotels und gastronomischen Betrieben ins „normale“ Leben betrifft. Das Hauptangebot fehlt aber nach wie vor, denn die insgesamt sieben Thermen in Bad Füssing, Bad Griesbach, Bad Abbach, Bad Gögging und Bad Birnbach sind nach wie vor geschlossen. „Eine wirtschaftliche Katastrophe: Wir reden über ein Angebot, das für 4,5 Millionen Übernachtungen alleine im Rottaler Bäderdreieck pro Jahr sorgt“, wie die Bürgermeister aus Bad Griesbach, Bad Füssing, und Bad Birnbach in einer gemeinsamen Erklärung betonen. Jürgen Fundke aus Bad Griesbach ist derzeit dienstältester Rathauschef.

Er ist mit seinen neuen Amtskollegen Tobias Kurz aus Bad Füssing und Dagmar Feicht aus Bad Birnbach einig, dass nun zwei Dinge gefordert sind: eigenes Handeln in Form eines umfassenden Hygienekonzeptes für maximale Sicherheit von Personal und Badegästen, aber eben auch die maximale Unterstützung der Politik in Form einer raschen Rückkehr der Thermen. Dieses Vorgehen wird auch vom Bezirk Niederbayern, der in fünf der sieben Thermen in den Zweckverbänden Mehrheitseigner ist, begrüßt. „Nur gemeinsam haben wir eine Chance“, betont Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich gegenüber der PNP und lobt dabei, dass die Zusammenarbeit über Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinaus in der Bäderwelt gut funktioniert. Gerade dieses Miteinander betonte auch Tobias Kurz beim Treffen in Bad Birnbach. Mit regelmäßigen Abstimmungsgesprächen will man die Kooperation fortsetzen.

Davon abgesehen haben sich gestern in Bad Birnbach die Chefs der Thermen – fünf davon sind von Zweckverbänden getragen, zwei in privater Hand – und die politischen Vertreter getroffen, um die gemeinsame Strategie zu verabschieden. Klar ist, dass ein Betrieb in Zeiten von Corona auch Einschränkungen mit sich bringt. Es soll demnach überall Mindestabstände und besondere Hygieneregeln geben, auch in den Becken, in den Ruhe- und Gastronomiebereichen. Das heißt im Klartext natürlich auch, dass es eine Höchstbesucherzahl in jeder Therme geben wird, was durchaus zu einer Wartezeit im Eingangsbereich führen kann. Auch hier werden Abstandsregeln und Desinfektionsstationen geschaffen.

Darüber hinaus wollen die Kurmittelhäuser bis auf weiteres etwa auf den Betrieb von Dampfbädern, aber auch schweren Herzens auf besondere Serviceleistungen verzichten. „Es wird kein Wedeln nach dem Aufguss geben“, meint die Bad Birnbacher Werkleiterin der Rottal Terme Josefine Kohlmeier. „Sauna mit Abstand“ will sie aber gewährleisten, Temperaturen von mindestens 80 Grad vorausgesetzt. „Das können wir auch räumlich aufgrund der großzügigen Anlagen gut bewerkstelligen“. Man werde auch auf genügend Personal achten, damit die Vorgaben ordnungsgemäß umgesetzt werden, hieß es unisono. Die Grundlagen seien gut, weil sich das Virus weder im Wasser noch bei extrem hohen Temperaturen verbreite und zudem strengste Desinfektions- und Reinigungsregeln gelten. Ein Stück Eigenverantwortung der Besucher bleibe wie überall im Alltag, doch da stimme die hohe Akzeptanz aller bisher ergriffenen Corona-Maßnahmen in Deutschland und speziell im Freistaat positiv.

Noch aber ist all das ein Konzept. Mit den Landräten Michael Fahmüller (Rottal-Inn) und Raimund Kneidinger (Passau) sowie den Landtagsabgeordneten Martin Wagle und Walter Taubeneder (beide CSU) will man sich bei einem weiteren Treffen am morgigen Mittwoch in Bad Griesbach auf eine Feinabstimmung mit den zuständigen Gesundheitsämtern in Pfarrkirchen, Passau und Kelheim sowie mit der Staatsregierung und den beteiligten Ministerien verständigen. Die Verantwortlichen versichern, man werde größte Sorge auf die Einhaltung der Bestimmungen legen, wie es in der Bad Birnbacher Erklärung heißt. „Niemand hat Interesse daran, dass wir wenige Wochen nach einem Neustart bereits wieder über einen Shutdown reden“, sagt Tobias Kurz aus Bad Füssing. Alleine in seinem Ort geht es um 2,4 Millionen Übernachtungen und rund 1,6 Millionen Thermeneintritte. Noch länger zu warten, sei für niemanden eine Option, denn: Die Angst geht um bei 20.000 Beschäftigten in der Branche und bei Hunderten von Betrieben, die von den Thermen in Niederbayern wirtschaftlich abhängig sind.

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