Lokalmatador Pierre Kaffer: „So ein LMP1-Prototyp ist der Hammer“

Die schiere Begeisterung sprudelt aus Pierre Kaffer heraus, wenn er vom Fahrgefühl im Le-Mans-Prototyp erzählt. „So ein LMP1-Prototyp ist einfach der Hammer. Die Geschwindigkeit, die Fliehkräfte, wenn dein Kopf in den Kurven an die Cockpit-Wand gedrückt wird – es ist mit nichts zu vergleichen.“

Wenn am Sonntag auf dem Nürburgring der vierte Lauf zur FIA Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) ausgetragen wird, steuert Lokalmatador Pierre Kaffer den CLM P1/01-AER des ByKolles-Racing-Teams. Im Gegensatz zu den Werksteams von Audi, Porsche und Toyota muss das Privatteam aus Österreich nicht nur mit einem kleinen Budget auskommen, sondern reglementbedingt auch ohne Hybrid-Antrieb. „Dafür ist unser Topspeed im Vergleich zu den Werksautos teilweise sogar größer“, stellt Kaffer mit leuchten Augen fest.

Pierre Kaffer startet mit dem ByKolles-Team in der LMP1. Foto: WEC
Pierre Kaffer startet mit dem ByKolles-Team in der LMP1. Foto: WEC

Seit 2003 lebt er in der Schweiz, doch die Reise von Zürich zum Nürburgring ist für Pierre Kaffer eine Reise in die Heimat. 1976 in Bad Neuenahr geboren, wuchs er in Burgbrohl auf – einen Katzensprung vom Nürburgring entfernt. Schon 1990 zog es ihn an die Traditionsstrecke in der Eifel, bestritt er auf der dortigen Kartbahn seine ersten Rennen. Beim berühmten Zakspeed-Rennstall absolvierte er seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, sein Lehrmeister war damals Ernst Moser, der später bei Phoenix-Racing sein Teamchef im Porsche-Carrera-Cup und in der DTM wurde. Längst ist Kaffer, der nach dem Kartsport zunächst in der damaligen Formel Opel sowie in der Formel 3 seine ersten Sporen im Automobil-Rennsport verdiente, ein gut beschäftigter Profi-Rennfahrer und Instruktor, dessen Terminkalender gut gefüllt ist. In erster Linie fährt er für Audi in der Blancpain-GT-Serie sowie 24-Stunden-Rennen, dazu kommen Rennen in den USA und natürlich die FIA Langstrecken-WM. Er genießt es, dabei seine große Leidenschaft auszuleben, eben Sportwagen und Prototypen. „So ein Prototyp sieht doch geil aus – und so fährt er sich auch“, stellt er mit Nachdruck fest.

„Ich freue mich riesig auf mein Heimrennen“, lässt er keinen Zweifel aufkommen. „Meine Mutter wird wieder dabei sein, wie zuletzt auch beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans, und natürlich kommen auch viele Freunde.“ Mehr noch als auf Mutter und Freunde freut er sich auf den Nürburgring. „Ich habe so viele gute Erinnerungen an den ‚Ring‘, an die Nordschleife genauso wie an den Grand-Prix-Kurs.“ So denkt Kaffer besonders gerne an 2004 zurück, als er im Werks-Audi das 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring gewann, oder an 2015, als er bei der deutschen WEC-Premiere mit dem ByKolles-Racing-Team erstmals die Wertung für Privatteams gewinnen konnte. „Das wäre klasse, wenn uns das am Wochenende wieder gelingen würde“, gibt Kaffer das Ziel für sein Heimspiel aus. In Le Mans, wo er bereits zehn Mal die 24h bestritt, war es zuletzt unglücklich gelaufen. „Das Team hat hart gearbeitet. Wir sind für den Nürburgring gut vorbereitet.“

Auch wenn die legendäre Nordschleife seine Lieblingsrennstrecke ist, Pierre Kaffer liebt auch den Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings. „Der GP-Kurs ist ebenfalls anspruchsvoll“, sagt der Burgbrohler, der für die Zuschauer auch gleich ein paar Tipps parat hat: „Viel Action gibt es wie immer in der ersten Kurve, aber auch in der Veedol-Schikane wird es garantiert heiß hergehen.“ Endlos viele Überholmanöver sind über die sechs Stunden Renndauer programmiert, wenn 33 PS-Boliden in vier Klassen Gas geben. Fahrerisch sieht er die Schlüsselstellen eher beim Herausbeschleunigen aus der Dunlop-Kurve und im Michael-Schumacher-S. „Da muss es passen, damit es eine gute Runde wird.“

Am vergangenen Wochenende war Pierre Kaffer in Estland und schaute sich erstmals eine Rallye zur Europameisterschaft an. Es folgte ein kurzer Stopp in Zürich zum Kofferwechseln, schließlich geht es vom Nürburgring direkt weiter zum 24-Stunden-Rennen ins belgische Spa-Francorchamps. Später folgen im Wechsel mit GT-Rennen in Europa die WEC-Überseerennen in Mexiko, China, Japan und Bahrain. Jetzt aber will Pierre Kaffer erst einmal das Heimrennen genießen. Der Lokalmatador hofft auf so viele Zuschauer wie im Vorjahr, als 62.000 kamen. „Das war eine tolle Kulisse. Die WEC hat viele Fans in Deutschland, auch in Le Mans waren unglaublich viele deutsche Zuschauer.“ Die „6 Hours of Nürburgring“ locken mit attraktiven Preisen, Tickets an der Tageskasse gibt schon ab zehn Euro (Freitag), das Wochenendticket kostet 45 Euro (mehr Infos unter www.nuerburgring.de).