Waldbaden ist mehr als Spazierengehen: Wer bewusst die Wunder der Natur wahrnimmt, der fördert die Gesundheit

Die Augen schließen und die Geräusche des Waldes verinnerlichen. Den Vögeln bei ihrer Unterhaltung zuhören. Das Holz knackst, der Wind säuselt. Das Moos, die Blätter und die Bäume berühren. Eine Ameise, die über den Waldboden krabbelt, beobachten. Das Sonnenlicht wirft Schatten durch die Bäume und lässt die Farben der Waldfrüchte hervorblitzen. Barfuß den Waldboden spüren. Es tut so gut, das Gehirn auszuknipsen und sich in aller Ruhe und Achtsamkeit auf Körper und Geist zu konzentrieren. Waldbaden ist mehr als durch den Wald spazieren. Es ist eine wunderbare Art und Weise, die heilsame Atmosphäre des Waldes mit allen Sinnen zu entdecken und seine Signale der Ruhe und Entspannung aufzunehmen.

Das pure Sein im Wald

Es gibt viele Wege, den Wald wahrzunehmen. Am Südtiroler Ritten, auf einer lichtdurchfluteten Waldlichtung, steht das Hotel Tann. Wohltuendes Waldbaden und entspannte Waldmomente werden dort auf 1.500 Metern Höhe zur natürlichen Kraftquelle. Alexandra ist die Waldtherapeutin des Hauses. Sie erzählt von den Wahrnehmungsübungen, die sie ihren Gästen mitgibt auf den Weg durch den Tann-Wald.

Zu Beginn geht es zum „Sorgenstein“. Dieser hat allerdings auch schnell wieder ausgedient. Gäste, die zum Waldbaden kommen, laden zunächst an einem Stein ab, was sie belastet. Am Ende des Waldbades sind sich meist alle einig: „Den Stein lassen wir hier“. Und das ist gut so. Im Zentrum eines Waldbades mit Alexandra steht der persönliche Lieblingsbaum. Die Tanne oder Fichte, die dazu auserkoren wird, darf innig umarmt werden. Atemübungen veranschaulichen die Balance von „Geben und Nehmen“. Bewusstes Ausatmen gibt dem persönlichen Baum das Kohlendioxyd zurück, das er zum Leben braucht. Die Teilnehmer versuchen, mit ihrem Baum in Worten und Gedanken Kontakt aufzunehmen. Je nach Gemütslage kann dieser als Sorgenfilter dienen oder positiven Erlebnissen „lauschen“. Ein Innehalten und „Hinhören“, was der Baum erzählt, schließt die Übung ab. Gerne lädt Alexandra die Teilnehmer ein, die Schuhe auszuziehen und über den Waldboden zu laufen, um dem Wald hautnah zu kommen. Angeleitet durch die Waldtherapeutin finden „Waldbader“ zurück zur Natur. Wer es einmal probiert hat, der ist fasziniert von der vollkommenen Entspannung, die der Wald spendet. Die frische Energie des Waldes ist natürlich und heilsam.

Wussten Sie, dass…

Eine Studie der Ökopsychologie von Roger Ulrich im Jahr 1984 hat gezeigt, dass Patienten eines Krankenhauses, welche ein Zimmer mit Blick auf Bäume hatten, sich nach einer Operation schneller erholten als jene mit Blick auf die Stadt. Dies geschieht nicht ohne Grund, denn jeder Mensch hat einen Urinstinkt, der ihn mit der Natur verbindet. Man spricht von Biophilie, also dem angeborenen Bedürfnis, eine Beziehung mit der Natur und anderen Lebewesen herstellen zu wollen (Erich Fromm, 1973). Erst mit der Industrialisierung entfernten die Menschen sich zunehmend von der Natur. Heute verbringen die meisten ihre Tage fernab von natürlichem Grün in geschlossenen Räumen. Man könnte fast sagen, dass die Menschen „artenuntypisch“ leben.

Das Waldbaden kommt ursprünglich aus Japan. Aufgrund seiner nachweislich stressreduzierenden und gesundheitsfördernden Wirkung erfreut es sich auch in Europa zunehmender Anerkennung und Beliebtheit. Beim Waldbaden geht es nicht darum, weite Strecken zurückzulegen, Gipfel zu erklimmen oder Ziele zu erreichen. Vielmehr bewegt man sich langsam, um die Naturerlebnisse voll und ganz auf sich wirken zu lassen. Man fokussiert alle Sinne auf den Wald. Auch geht es nicht darum, Kräuter zu bestimmen oder Bäume zu erkennen. Einzig und allein die Beziehung zur Natur steht im Mittelpunkt eines Waldbades.

Waldbaden aktiviert den Parasympathikus. Dies bedeutet, dass verstärkt Signale der Ruhe und Entspannung an den Körper gesendet werden. Zudem reguliert das Waldbaden die Cortisol-Ausschüttung. Cortisol spielt eine zentrale Rolle im Herz-Kreislaufsystem sowie in Stoffwechselprozessen. Studien haben auch gezeigt, dass ein Aufenthalt im Wald den Anstieg jener Zellen fördert, welche das Immunsystem unterstützen. Waldbaden beeinflusst das Nerven-, Hormon-, und Immunsystem gleichermaßen positiv.

Facts zum Waldbaden

Entschleunigung: Beim Waldbaden bewegt man sich nur langsam fort, um die Naturerlebnisse voll und ganz auf sich wirken zu lassen.

Der Weg ist das Ziel: Es gibt weder einen Gipfel noch einen Aussichtspunkt oder ein Ziel beim Waldbaden. Man fokussiert sich einzig und allein auf den Wald.

Gefühlte Beziehung: Beim Waldbaden geht es nicht darum, Kräuter zu bestimmen oder Bäume zu erkennen – es geht um die Beziehung zur Natur.

Waldbaden in g‘sunder Bergluft

Ein Waldbad ist die natürlichste Sache der Welt, beruhigt Körper und Geist und wirkt rundum positiv auf das Immunsystem und die Gesundheit. Auf einer lichtdurchfluteten Lichtung im Tann-Wald, 1.500 Meter über dem Meer, steht das Hotel Tann – ein unbeschreiblicher Ort zum Krafttanken: In der Natur, mit Barbaras Waldkulinarik, bei Wald-Wellness und einmal wöchentlich beim Waldbaden.

 

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