Dem Handwerk fehlt das Baumaterial – Bedrohliche Lage mit ersten Baustopps

Dämmstoffe verzeichneten bereits einen Preisanstieg um 40 Prozent. (Foto: ZVDH)

REGION. Seit einigen Wochen spitzt sich die Lage im Bau- und Baunebengewerbe zu. Immer mehr Handwerker kämpfen bei der Materialbeschaffung mit Preiserhöhungen und Lieferengpässen. Davon betroffen sind Dämmstoffe, Holzprodukte, aber auch Farben und Metall.

Je nach Material zeichnete sich eine Knappheit und damit steigende Preise schon Ende letzten Jahres ab. Bei anderen Baumaterialien hat sich die Situation erst seit rund einem Monat verschärft. „Die Ursache für die Materialknappheit bei Baustoffen ist eine Verkettung mehrerer Ereignisse“, schildert Dirk Kleis, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück-Region und ihrer 23 Handwerksinnungen. Zu diesen Ereignissen gehören der Ausfall großer Produktionsanlagen zum Beispiel bei den Rohstoffen Styrol und Propylenoxid, welche für die Produktion von EPS-Dämmstoffen benötigt werden. Die Farbindustrie spürt derweil den Produktionsausfall bei Bindemittel eines großen Herstellers.

Beim Holz führte unter anderem ein heftiger Wintereinbruch in den USA zu einem drastischen Zurückfahren der Holzproduktion bei zugleich verstärkter Holz-Nachfrage aus Europa. „Dies sind nur einige der Gründe. Dazu kommen dann noch verschiedene Ursachen, die der Pandemie geschuldet sind. Lieferketten funktionieren nicht wie gewohnt. Die „just in time“-Beschaffung geht derzeit vielfach nicht mehr auf“, führt Kleis weiter aus. „Zimmerer berichten über erste Baustellen, denen wegen Materialmangel ein Baustopp droht.“

Auch die verschiedenen Verbände aus dem Baubereich sind seit Wochen alarmiert. Einer davon ist der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Dessen Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx: „Wir stehen aktuell im engen Kontakt mit den Fachverbänden des Handels und der Hersteller und suchen gemeinsam nach Lösungen. Die meisten Hersteller haben uns mitgeteilt, dass sie zwar im Laufe des Jahres mit einer Stabilisierung der Lage rechnen, aber nicht von einer kurzfristigen Senkung des Preisniveaus ausgehen.“ Marx wirbt bei den Verbrauchern für Verständnis, wenn nun Angebote oder Rechnungen von Betrieben höher ausfielen als erwartet. „Leider bleibt unseren Betrieben oft nichts anderes übrig, als die Preissteigerungen, die er ja nun nicht zu verantworten hat, weiterzugeben“, erläutert Marx die missliche Situation. Kleis bittet derweil zusätzlich um Verständnis bei den Kunden, wenn es durch die Lage bedingte Terminverzögerungen gibt. „Auch wenn unsere Handwerksbetriebe frühzeitig disponieren, ist das nötige Baumaterial derzeit teils einfach nicht am Markt zu bekommen.“ Alle hoffen auf die angekündigte Entspannung im Laufe des Jahres.

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