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Hermann Simon aus Hasborn
Professor, Unternehmer, Managementdenker- 04.03.2009 -
„Coincidentia oppositorum“ – Zusammenfall der Gegensätze. Es war der Eifel-Moselaner Cusanus, Meisterdenker des Mittelalters, der diesen berühmten Ausdruck geprägt hat. Einheit krasser Gegensätze – das ist auch das Leben Hermann Simons. Kleinbauernsohn im 350-Seelen-Eifeldorf – mittlerweile einflussreichster deutscher Managementdenker und Verfasser von rund 30 Büchern. Kein Kindergarten, einklassige Zwergschule – drei Jahrzehnte später Professor in Mainz und Bielefeld, Harvard, Stanford und Tokio. Als Gymnasiast tägliche Bahnfahrt in die Kreisstadt Wittlich – heute als Chef einer globalen Unternehmensberatung alljährlich Zehntausende von Flugmeilen unterwegs.
Aufmerksam wurde ich auf den Ökonomen erstmals durch seinen Artikel im Kreisjahrbuch 1981 über „Strukturwandel und Wirtschaftsentwicklung im Kreis Bernkastel-Wittlich“. Zur gleichen Zeit veröffentlichte er in den führenden internationalen Fachzeitschriften, bezeichnend – wie ich heute weiß – für seinen Horizont von Hasborn bis jenseits von Harvard. Simons wissenschaftliche Spezialitäten: Strategie, Marketing, Preismanagement. 1985 lässt der junge Professor der Theorie die praktische Bewährungsprobe folgen und gründet zusammen mit seinem ersten Assistenten Dr. Eckhard Kucher die Unternehmensberatung „Simon, Kucher & Partners“. Das gewagte Experiment gelingt. Die von ihm geführte Firma ist mit 500 Mitarbeitern inzwischen Weltmarktführer in Sachen Preismanagement. Mehr noch: Unter deutschen Top-Managern gilt die Simon-Firma als bester Marketing- und Vertriebsberater überhaupt. Apropos Weltmarktführer: Mit seinem Buch „Hidden Champions“ lenkt Simon 1996 den Blick auf mittelständische, unbekannte Weltmarktführer und ihre Erfolgsstrategien. Das Werk wird ein Welterfolg. Insgesamt sind seine Bücher in 22 Sprachen erschienen, der simonsche Begriff „Hidden Champions“ erzielt Hunderttausende von Treffern bei Google. Er bleibt nicht der einzige Ausdruck, den er erfolgreich prägt.
Wie ist dieser Lebensweg des Hasborners zu erklären? Hat hier ein ehrgeiziger Dorfjunge zielstrebig auf eine Dreifachkarriere als Wissenschaftler, Autor, Unternehmer hingearbeitet? Davon kann keine Rede sein. Noch auf dem Cusanus-Gymnasium waren ihm Vieh, Feld und Fußball so wichtig wie gute Noten. Ein Berufsziel hatte der großgewachsene Hasborner zwar klar vor Augen, aber wahrlich nichts Professorales: Hermann Simon wollte Starfighterpilot werden. Der Start war vielversprechend: Kompaniesprecher bei der Grundausbildung in Ulm, Jahrgangsbester auf der Offiziersschule der Luftwaffe in München. Führungsfähigkeit bewies Simon nicht zuletzt beim Jagdbombergeschwader 33 in Büchel: Nie wird er vergessen, wie er 1968 auf dem Höhepunkt des kalten Krieges um Mitternacht die Kompanie von 120 Soldaten, von denen nicht wenige betrunken waren, zur Sicherung des Atombombentransports alarmierte und führte. Da wusste er längst, dass er wegen einer Farbsehschwäche seinen Jugendtraum vom Piloten nicht würde verwirklichen können. So begann der Offizier der Reserve 1969 mit dem Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre.
In jenen Umbruchsjahren hat er sich politisch nicht zurückgelehnt. Stürmung einer NPD-Veranstaltung in Ulm, Demonstrant bei der großen Notstandsgesetzgebung in Bonn, populärer Fachschaftssprecher. Streitgespräche mit marxistischen Studenten, die Simon heute nicht selten an Schaltstellen des Kapitalismus wieder trifft. Vom Sachverstand vieler Politiker hat der Vielleser, der Hochleistung und Charakter schätzt, keine allzu hohe Meinung.
Zufall – für Simon ein entscheidender Aspekt seiner Biographie. Was nach außen als gerader Gang erscheint, kommt ihm teilweise wie ein Stolpern von einer Stufe zur nächsten vor. Vielleicht ist es auch das Gefühl: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Von der Studienwahl bis zum unerwarteten Angebot zur Habilitation: „In die Hochschulkarriere bin ich so reingeschlittert.“ Die Zukunft zeigte jedenfalls, dass sein Doktorvater, der große Ökonom Professor Horst Albach, gewiss gewusst hat, warum er den Diplomanden aus der Eifel förderte.
Fragt man Hermann Simon, worauf er stolz ist, nennt er seine Frau und die beiden erwachsenen Kinder. Schalk und Scherz sind dem Eifeler nicht fremd, aber hier spürt man: Das meint er ernst. Wann immer es seine knappe Zeit erlaubt, kehrt er zurück ins stilgerecht renovierte Elternhaus. Globalisierung ist für ihn wichtig und nützlich. Aber es muss eine Globalisierung sein, die höchstens 24 Flugstunden von Hasborn entfernt ist. „Kein Problem. Mein Rekord Tokyo –Hasborn liegt bei 13,5 Stunden“, lautet sein Kommentar zu diesem Thema.
Verfasser: Gregor Brand
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