DRM+ ist nicht nur im UKW-Bereich, sondern auch auf Frequenzen bis 230 MHz gemeinsam mit DAB/DAB+ im VHF-Band III einsetzbar. Dies hätten umfangreiche technische Untersuchungen gezeigt, erläuterte Andreas Steil, Professor an der FH Kaiserslautern, auf dem Symposium „DRM+ im VHF-Band III: Das ‚Plus‘ für den digitalen Hörfunk, gemeinsam mit DAB+“ am 27. Mai in Kaiserslautern. Bei der Veranstaltung präsentierten die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz und die Fachhochschule Kaiserslautern die Ergebnisse aus dem Feldversuch mit DRM+ im VHF-Band III.
Die Einsetzbarkeit im Band III würden eindeutig die mobilen und stationären Messungen zeigen, die gemeinsam mit der Bundesnetzagentur durchgeführt wurden, betonte Steil. Erstmals wurde in einem Feldversuch gleichzeitig ein DAB-Sender mit 300 W Leistung und ein DRM+-Sender mit 180 W Leistung in Betrieb genommen, in dem nachgewiesen wurde, dass Sendernetze mit beiden Systemen störungsfrei arbeiten können.
DRM+
DRM (Digital Radio Mondiale – weltweiter Digitalrundfunk) umfasst digitalen Hörfunk und Datendienste, aber auch Amateurfunk. Der DRM Standard umfasst Rundfunk auf der Lang-, Mittel- und Kurzwelle. DRM+ ergänzt den DRM-Standard um einen Modus für Sendefrequenzen zwischen 30 MHz und 174 MHz, also einschließlich des UKW Bereichs. Die Audiodaten werden mittels MPEG-4 HE-AAC v2 (oder einem der beiden verfügbaren Sprachcodecs) komprimiert und per OFDM/COFDM übertragen.
Die wesentlichen Anforderungen, die DRM+ erfüllt, sind:
- Realisierung von Datenraten, die den Empfang vom mindestens einem Hörfunk-Programm in CD-Audio-Qualität ermöglichen Versorgungsreichweite und -sicherheit mindestens wie die derzeitige UKW-FM-Versorgung mit der Möglichkeit des mobilen Empfangs bei hohen Geschwindigkeiten und des portablen Empfangs im Haus
- Überführung bestehender Versorgungsstrukturen im jetzigen UKW-Rundfunk (lokale, regionale, landesweite und nationale Sendeformate)- Gleichwellenfähigkeit zur Bildung von frequenzökonomischen Sendernetzen
- Nutzbandbreite von 100 kHz zur Beibehaltung des jetzigen UKW-Planungsrasters.
- Vermeidung von Störungen der bestehenden UKW-FM-Versorgung zur Realisierung einer schrittweisen Migration der Rundfunksender.
Joachim Lehnert, Abteilungsleiter Technik der LMK, betonte, dass DRM+ im VHF-Band III mit nachweislich gutem mobilen Empfang und hervorragender Senderreichweite gerade für den regionalen und lokalen Hörfunk, für den die DAB+-Netze unwirtschaftlich seien, der geeignete Weg in die digitale Welt sein kann. Im Gegensatz zum UKW-Band II, in dem absehbar keine freien Frequenzen für ein digitales Hörfunksystem bereitstünden, böte das VHF-Band III zusätzlich zu den kommenden DAB-Bedeckungen ausreichend Kapazitäten für weitere DRM+-Sender.
Zu den Chancen von DRM+ im VHF-Band III referierten Experten aus dem In- und Ausland. Zum Thema „Regulierung und Infrastrukturen“ stellte Peter Reindl (RTR Österreich) die Überlegungen der österreichischen Regulierungsbehörde und die Herausforderung zur Einbringung von DRM+ im europäischen Umfeld dar. Ergänzend hierzu stellte Manfred Kühn (mobile broadcast consult) erste Planungsansätze für DRM+-Sender vor. Albrecht Mugler, Chef des Sendenetzbetreibers Mugler AG, zeigte anhand von Planungsbeispielen kostengünstige Senderinfrastrukturen im lokalen und regionalen Bereich für DRM+.
Zum Thema „Inhalt und Radiohörer“ präsentierte Alexander Zink (Fraunhofer IIS) mit einer DRM+-Live-Übertragung über den DAB-Kanal 10B Zusatzdienste für ein DRM+-Radioprogamm, das in 5.1 Surround ausgestrahlt wurde, vor. Über die „hervorragende Klangqualität“ konnten sich die Zuhörer im Plenarsaal und während einer Fahrt in einem BMW 535 überzeugen. Manfred Eich (Hirschmann Automotive) erläuterte, dass es für die Endgeräteindustrie leicht sei, ein DAB+-Radio mit geringem Aufwand so zu bauen, dass auch DRM+-Radioprogramme empfangen werden können. Zum Schluss stellte Stephan Ory, Medienratsvorsitzender der Landesmedienanstalt Saarland (LMS), in seinem Plädoyer heraus, dass auch die lokalen und regionalen Hörfunkveranstalter einen geeigneten Zugang zur digitalen Hörfunkwelt bekommen müssten und DRM+ dafür ein geeignetes System sein könnte.
Das Symposium war zugleich Abschluss der Kooperation zwischen der LMK und der FH Kaiserslautern zu DRM+. Diese begann im Jahr 2005 mit einer Machbarkeitsstudie, an die sich Softwareentwicklungen sowie Laboruntersuchungen und Feldversuche mit DRM+ im UKW-Band II und im VHF-Band III anschlossen. Steil und Lehnert fassten zusammen, dass mit den umfangreichen Ergebnissen dieser Arbeiten eine fundierte Grundlage zur Einplanung von DRM+ im UKW-Band II und im VHF-Band III gelegt wurde. Sinnvoll wäre es nun, wenn Technik, Regulierung und Markt den Weg für einen raschen Markteintritt von DRM+ ebnen würden. Voraussetzung hierfür sei zunächst, dass DAB+ am Markt an Akzeptanz gewinnt und die Marktpartner insgesamt für die Digitalisierung des Hörfunks zusammenarbeiten. Wichtig sei es schließlich, die Beschleunigung der Digitalisierung des Hörfunks mit DAB+ und DRM+ auf EU-Ebene zu tragen, damit ein abgestimmtes europäisches Vorgehen vereinbart werden kann. Die Projektpartner werden diesen Prozess mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung gerne begleiten.
DRM war zunächst einmal vorgesehen, um die sogenannten AM-Sender – Sender auf Mittelwelle, Langwelle und Kurzwelle – zu digitalisieren. Seit geraumer Zeit geschieht dies aber auch auf Frequenzbändern von UKW und jetzt auch auf Bändern, die bis vor kurzem für analoges Fernsehen eingesetzt worden sind.
DAB
Das Digital Audio Broadcasting (DAB) ist ein digitaler Übertragungsstandard für terrestrischen Empfang von Hörfunkprogrammen. Es ist für den Frequenzbereich von 30 MHz bis 3 GHz geeignet und schließt somit auch eine Verbreitung über Kabel und Satellit ein. Entwickelt wurde DAB im Eureka-147-Projekt der EU in den Jahren 1987–2000. DAB ist in Deutschland, der Schweiz, Südtirol, Belgien, Dänemark und dem Vereinigten Königreich fast flächendeckend verfügbar. Die DAB-Sendeabdeckung in Deutschland beträgt 80 Prozent. Für DAB reicht eine Sendeleistung von 10 kW aus, um eine ausreichende Versorgung innerhalb von Gebäuden zu gewährleisten ohne die Notwendigkeit einer Außenantenne. Vergleichsweise werden für die Übertragung eines einzigen Programmes auf UKW bis zu 100 kW eingesetzt.
DAB+
Um den Qualitätsanspruch auch mit niedrigen Bitraten erfüllen zu können, reichte WorldDMB das Verfahren HE AAC v2 (DAB+) als ergänzendes Kodierungsverfahren für DAB zur Standardisierung ein. Dabei wird ein zusätzlicher Fehlerschutz (Reed Solomon Code) hinzugefügt. DAB+ benutzt damit zwar denselben Audiocodec und einen ähnlichen Fehlerschutz wie DMB, unterscheidet sich ansonsten jedoch technisch davon. Ein Vergleich der notwendigen Datenraten zwischen DAB und DAB+ ist weniger eine Frage der technischen Festlegung, sondern hängt vor allem vom Anspruch an die Audioqualität und den zu übertragenden Audioinhalten ab. Vor der Einführung von DAB+ hat sich bei der Nutzung von DAB in Deutschland eine Netto-Datenrate von 160 kbit/s etabliert, wobei oft auch noch 128 kbit/s akzeptiert werden. Um ähnliche Qualität mit DAB+ zu erreichen, wird von etwa 80 kbit/s bzw. 72 kbit/s ausgegangen, wobei die Einschätzungen in der Praxis oft sehr variieren. Mit DAB+ ist es also möglich, etwa doppelt so viele Audioprogramme in einem DAB-Ensemble unterzubringen. Praktisch bedeutet dies für DAB+ etwa 12 bis 18 Audioprogramme pro DAB-Ensemble.
Folgende Programme sind via DAB in der Eifel bereits flächendeckend zu empfangen:
SWR1
SWR2
SWR3
DASDING
SWR cont.ra
Deutschlandfunk
Deutschlandradio Kultur
DRadio Wissen
DAB+ ist der Nachfolger von DAB. DAB+ ist noch stärker komprimiert und deshalb bekommt man im selben Frequenzspektrum mehr Sender unter. Die Infosat und wir von der EAZ Eifelzeitung fordern allerdings, dass die bestehenden DAB Ausstrahlungen fortgesetzt werden und zusätzliche, neue Frequenzbänder und Programme dann in der verbesserten DAB+ Technik ausgestrahlt werden.
Bekanntlich haben die Infosat (Ausgabe 11/2009) und wir von der EAZ Eifelzeitung (Ausgabe 14.10.2009) in einem Offenen Brief an den Intendanten des Deutschlandradios, Herrn Dr. Willi Steul, dafür plädiert, dass die Programme Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk über das digitale DAB-System nicht – wie geplant – Ende 2009 eingestellt werden. Die Infosat, die in Daun herausgegeben wird, hat zudem im Infotorial der Januar 2010 Ausgabe eine Hochrechnung präsentiert. Diese ergab, dass man bei den kaum noch gehörten Lang-, Mittel- und Kurzwellensendern auf Kosten von 20 Millionen Euro pro Jahr kommt. Währenddessen die Kosten für die Verbreitung des bundesweit flächendeckenden DAB-Radioprogramms jährlich pro Programm zwei Millionen Euro kostet (kompletter Artikel nachzulesen unter: www.infosat.de). Diese Ausführungen haben wohl überzeugt, denn die beiden Sender wurden schlussendlich nicht abgeschaltet – zumindest nicht hier in Rheinland-Pfalz. Mehr noch: Seit Mitte Januar 2010 ist das neue Programm DWissen von Deutschlandradio auf DAB aufgeschaltet worden und kann somit auch terrestrisch mobil fast überall im Verbreitungsgebiet der EAZ Eifelzeitung empfangen werden.
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